Anhang:
Kurzdarstellung der Menschenrechtsverletzungen

Der psychisch kranke Mensch ist, anders als der somatisch Kranke, in allen Lebensbereichen davon abhängig, ob er in seiner Erkrankung fachliche Hilfe erhält - oder nicht. Von einer richtigen oder falschen Behandlung hängen für den Einzelnen ab:

  • Die Arbeitsfähigkeit und Möglichkeit der beruflichen Rehabilitation - oder die Berentung und das Abgleiten in die Sozialhilfe
  • Die Möglichkeit, in tragfähigen Beziehungen zu leben und zwischenmenschliche Kontakte aufzubauen - oder in die Isolation und Vereinsamung zu geraten
  • Die Lebenssituation der Angehörigen
  • Die Möglichkeit, in der eigenen Wohnung zu verbleiben und sich damit eine Privatsphäre zu erhalten - oder das Leben in Abhängigkeit von Einrichtungen
  • Die Möglichkeit, am öffentlichen Leben teilzunehmen und den eigenen Interessen nachzugehen - oder die Teilnahmslosigkeit und geistige Verarmung
  • Die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen - oder unter gesetzlicher Betreuung zu leben.

Die richtige oder falsche Diagnose - und damit die richtige oder falsche Behandlung - hat für den Einzelnen zur Folge, ob er seine im Grundgesetz verankerten Rechte wahren kann oder nicht: Das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf eine selbstbestimmte Lebensführung.

Weiterhin hängen von den psychiatrischen Beurteilungen die praktische Umsetzung des Betreuungsrechtes und des Gesetzes zur Unterbringung ab. Diese gravierenden Abhängigkeitsverhältnisse bestehen vor dem Hintergrund der großen Diagnoseunsicherheit im psychiatrischen Bereich. Aus diesem Grund hat die UNO eine Menschenrechtskonvention zum besonderen Schutz psychisch Kranker verabschiedet.

Die psychopathologische Diagnostik der RFK Alzey beschränkt sich auf fünf stereotyp angewandte Krankheitsbilder:

  • die schizophrene Psychose
  • die manisch-depressive Psychose
  • die schizo-affektive Psychose
  • die Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • das hirnorganische Psychosyndrom.

Andere Krankheitsbilder sowie Primärerkrankungen der Suchtentwicklung fehlen völlig. Die am weitaus häufigsten gestellte Diagnose ist die paranoid halluzinatorische Schizophrenie. Diese reduzierte Diagnostik wäre einfach zu überprüfen, indem man bei den zuständigen Kostenträgern die Daten einfordert.

Unter den von uns dokumentierten 26 Fällen von Menschenrechtsverletzungen in der RFK Alzey waren sechs Personen mit Suchterkrankungen. Bei 20 Personen mit psychischen Schwierigkeiten war von der RFK Alzey in 17 Fällen eine neuroleptische Dauermedikation verordnet worden. Bei 12 Personen war eine paranoid halluzinatorische Schizophrenie diagnostiziert worden. In Wahrheit aber waren nur zwei Personen an einer Schizophrenie erkrankt, und nur bei diesen Patienten war eine neuroleptische Medikation angezeigt.

Durch die falsche Diagnostik - meist wird die Einheitsdiagnose Schizophrenie getroffen - und durch eine rein defizitäre und diskriminierende Begutachtung werden die Patienten der RFK Alzey gezielt zu Opfern gemacht:

  • Körperverletzung durch Medikamentierung
  • Psychische Misshandlung durch Psychopharmaka und falsche therapeutische Programme
  • Chronifizierung der wirklichen Erkrankung
  • Freiheitsberaubung durch Unterbringung
  • Nötigung zur Medikamenteneinnahme.

Die unwissenschaftliche Diagnostik wird in der RFK Alzey dazu benutzt, die körperliche Unversehrtheit und die psychische Integrität jedes einzelnen Patienten zu verletzen. Selbstbestimmung und Selbstständigkeit der Patienten werden verhindert, indem durch die falsche Begutachtung berufliche Entwicklungen verbaut werden und durch Manipulationen wie Isolierung der Patienten ihr Verbleib in einer eigenen Privatsphäre verhindert wird. Stattdessen werden die Patienten gegen ihren Willen in Abhängigkeit von Einrichtungen gebracht, die meistens die Klinik selbst betreibt oder die durch Beraterverträge von der Klinik abhängig sind. Schwer psychotisch Erkrankte oder Suchtkranke dagegen überlässt man sich selbst und der Verwahrlosung.

Die von fachlicher Hilfe und dieser Klinik abhängigen Patienten und ihre Angehörigen werden in ohnmächtiges Verzweifeln getrieben. Eine unabhängige Beschwerdeinstanz existiert nicht.

Schon einfachste Erhebungen würden das Ausmaß der Verbrechen in der RFK Alzey aufzeigen: Zahlen über Suizide, Daten über das Zutreffen/Nichtzutreffen von Prognosen, zum Erfolg/Misserfolg von Rehabilitationen oder über den Prozentsatz der "Drehtür"-Patienten, katamnestische Untersuchungen an einer Zufallsstichprobe oder Daten zum Prozentsatz der Unterbringungsmaßnahmen. Doch selbst diese einfachsten Kontrolldaten gibt es nicht, geschweige denn wissenschaftliche.